Biologische Vielfalt auf einem ehemaligen Industriegelände

 

Die Entwicklung der Concordia Sandhalde in Bendorf von einer Abraumhalde zu einem artenreichen Biotopverbundsystem

 

Die ca. 5 ha große Concordia Sandhalde in Bendorf-Mülhofen wurde 150 Jahre lang von der Concordia Hütte als Abraumhalde genutzt, um unbrauchbar gewordene Formsande, Hüttenzement, Schlacke, Hochofenreste, Eisengussabfälle und weitere Verbrauchsmaterialien aus der Eisenverhüttung abzulagern. Dadurch ist ein ca. 5 ha großer und 20 m hoher Hügel mit einer trockenen Hochfläche entstanden. Nach der Schließung und dem Abriss der Hütte 1995 lag das Gelände 10 Jahre lang brach. Im Jahre 2005 erwarb der NABU Neuwied und Umgebung e.V. das Gelände, zäunte es ein, beseitigte den Müll und expansive Pflanzenarten und startete ein Beweidungsprojekt mit Burenziegen als lebendige Landschaftspfleger. In den vergangenen 13 Jahren konnte sich so ein Biotopverbundsystem entwickeln, das einzigartig in der Region ist. Halbtrockenrasen (Mesobrometen) und Trockenrasen (Xerobrometen) auf der offenen sandigen Hochfläche grenzen direkt an einen ursprünglichen Schluchtwald, der die Sandhalde sowohl mit den Rheinauen einerseits und dem Seitentälern das Rheins (Brexbachtal, Saynbachtal) und dem Westerwald andererseits vernetzt. Durch die zentrale Lage inmitten der landwirtschaftlichen Monokulturen des Koblenz-Neuwieder Beckens, dient sie als Vernetzungselement und als Trittstein vieler selten gewordener Arten.

Schluchtwald

Die Concordia Sandhalde mit dem angrenzenden Schluchtwald und dem NSG "Hüttenweiher" liegt inmitten industriell und landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen und grenzt direkt an das Stadtgebiet der Stadt Bendorf an. Biologische Vielfalt war durch die intensive Nutzung der umliegenden Flächen und durch die Nutzung der Sandhalde selbst über 150 Jahre als Abfallhalde der Eisenverhüttung, nicht zu erwarten. Nach Schließung und Abriss der Hütte 1995 breiteten sich expansive Pflanzenarten aus, die der Biodiversität auch entgegenstehen.  Im Jahre 2005 erwarb der NABU Neuwied und Umgebung e.V. das Gelände mit dem Ziel, durch eine halboffene Weidehaltung von Burenziegen, hier wieder ein Biotopverbundsystem zu fördern, das durch seine biologische Vielfalt als ein wichtiges Vernetzungselement zwischen den Rheinauen und den Seitentälern des Rheins mit dem Westenwald dienen kann. Durch Führungen über das Gelände soll auch die Bevölkerung durch praktische Hinweise und Beispiele der naturnahen Gartengestaltung an die Biodiversität herangeführt werden.

Die Concordia-Sandhalde heute 2019

Concordia - Sandhalde                                     

   ein Paradies mitten in der Stadt 

 

Die Natur erobert eine alte Industriehalde zurück

 

Einen großen Coup konnten der NABU landen: Die ehemalige ca. 5 ha große Sandhalde von Thyssen-Krupp in Sayn-Mühlhofen konnte in unseren Besitz übergehen. Hier finden sich noch viele seltene, spezialisierte Tiere offener, trockener Lebensräume. Darunter Zauneidechse, Sandlaufkäfer und blauflügelige Ödlandschrecke. Ein Naturparadies mitten in der Stadt.

Berge aus Formsanden aus der Eisenverhüttung wurden vor Jahrzehnten aufgeschichtet. Ein Wüste entlang des Saynbachs entstand. Doch nach Ende der Eisenverhüttung wurde es ruhig auf der Deponie und auf leisen Sohlen kehrte Mutter Natur zurück.

Die einstige Wüste ergrünte. An den Rändern der Sandhalde begannen Bäume zu wachsen. Im Zentrum entwickelte sich auf den trockenen, warmen Sanden ein El Dorado für spezialisierte Tierarten. Wer scharfe Augen und ein wenig Geduld mitbringt entdeckt die Schätze der Natur.

Über den teilweise noch blanken Sandboden huschen kleine, grüne Gestalten: Sandlaufkäfer. Plötzlich fliegen blaue Elfen auf: Die sogenannten Blauflügeligen Ödlandschrecken: Eben unbemerkt perfekt grau getarnt, fliegen sie bei drohender Gefahr auf und imponieren mit ihren strahlend hellblauen Flügeln. In kleinen, kurzweiligen Wasserlöchern entwickeln sich in Rekordzeit die Kaulquappen der Kreuzkröte. Diese Art ist an solche temporären Gewässer

angepasst und hat in größeren Gewässern, wo sich Feinde, wie die Larven der Libellen oder gar Fische etablieren können, keine Chance. In sonnenbeschienenen Schlackehaufen tummeln sich grüne Zauneidechsen.

Doch die natürliche Sukzession macht auch vor der Sandhalde nicht Stopp. Langsam erobern die Büsche auch die wertvollen warmen, nur schütter bewachsenen Sandflächen.

Hielten in grauer Vorzeit noch Wildpferd, Auerochs und Rothirsch, später Bauern mit ihren Herden Flächen durch Beweidung offen, können heute Gehölze ungebremst wachsen. Die seltenen Arten des Offen- und Halboffenlandes drohen heute zu verschwinden – auch auf der Concordia-Hütte.

Burenziegen und Mazedonische Zwergesel als Partner der Naturschützer sollen die Flächen offen halten und gestalten. Die Ziegen sind sehr friedlich und verbeißen effektiv die Gehölze. Esel und Schafe fressen in erster Linie Gras und sorgen stellenweise für kurze Weiderasen, die Platz für seltene Heuschrecken schaffen. Die wenigen Kothaufen der Esel sind wiederum Lebensraum zahlreicher Mistkäfer, von denen wiederum verschiedene Fledermausarten und Vögel leben.

Bei einer naturverträglichen geringen Besatzstärke ist Grünfutter in ausreichendem Maße vorhanden und auch eine Zufütterung nur im härtesten Winter nötig. Die Tiere werden ein Mosaik aus offenen Stellen und begrünten Bereichen schaffen. Der NABU ist stolz, als einer der ersten in der Umgebung diese naturgemäße wie kostengünstige Form der Landschaftspflege einzusetzen. In geführten Exkursionen wird die NABU-Gruppe in Zukunft durch das Gelände führen und den Wandel von industrieller Nutzung hin zum Naturparadies erläutern.

Burenziegen auf der Concordia-Sandhalde,  Foto: Detlef Wischnat
Burenziegen auf der Concordia-Sandhalde, Foto: Detlef Wischnat
Burenziegen bei der Arbeit,  Foto: Stefan Kolling
Burenziegen bei der Arbeit, Foto: Stefan Kolling
mazedonische Zwergesel,  Foto: Detlef Wischnat
mazedonische Zwergesel, Foto: Detlef Wischnat
Bau des Wildgatterzauns, Foto: Günter Hahn
Bau des Wildgatterzauns, Foto: Günter Hahn
Hochebene im Frühjahr 2008,  Foto: Detlef Wischnat
Hochebene im Frühjahr 2008, Foto: Detlef Wischnat
Entwicklungsstand im Sommer,   Foto: Detlef Wischnat
Entwicklungsstand im Sommer, Foto: Detlef Wischnat

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