Schreiben an die SGD - Nord am 16.01.2011

 

Antrag auf Durchsetzung von Sanierungspflichten:

Umweltschaden durch die Deckenerneuerung der B 42 zwischen Bendorf und Neuwied

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

wir sind ein nach dem Landesnaturschutzgesetz anerkannter Verband(Vereinsregisterauszug)  und gelten damit als anerkannt nach dem Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz. Gemäß unseres Satzungszieles setzen wir uns aktiv für die Umwelt- und Naturinteressen ein. Aus diesem Grund möchten wir Folgendes vortragen:

Im Zuge der Deckenerneuerung der B 42 zwischen Bendorf Anschlussstelle A 48 und Neuwied-Friedrichshof werden Beton-Gleitschutzwände anstelle herkömmlicher Leitplanken als Fahrbahnteiler gebaut. Diese stellen für nichtflugfähige Tierarten ein fast unüberwindliches Hindernis dar. Als Folge wird die Zerschneidungwirkung und damit die Fragmentierung lokaler Tierpopulationen erheblich verstärkt sowie die betriebsbedingte artspezifische Tötungsrate erheblich erhöht.

An zwei Stellen gibt es konzentrierte Tierbewegungen: unmittelbar unterhalb des Naturschutzgebietes „Meerheck“ und kurz vor dem Abzweig „Gewerbegebiet Friedrichshof und Distelfeld“ bei Neuwied. Hier beobachten wir seit Bestehen der Schnellstraße erhöhte Verkehrsopfer, v.a. versch. Amphibienarten, Fuchs, Feldhase, Dachs und Iltis.

Durch die Maßnahme sind auch Schutzgüter im Sinne des Umweltschadensgesetzes betroffen. Unterhalb der Meerheck gibt es in regennassen Sommernächten eine konzentrierte Amphibienwanderung über die B 42 hinweg. Alljährlich wandern dort Kreuzkröten (Bufo calamita) und Wechselkröten (Bufo virdis), beides Arten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie, vom NSG Meerheck nördlich der B 42 zur Feldfläche und zum ehemaligen Bahndamm südlich davon. Es werden zwar viele Tiere überfahren, es überwinden aber auch stets Tiere den Straßenkörper, sodass der Populationsaustausch gewährleistet ist.

Die Migration der Amphibien unterhalb der Meerheck ist von herausragender Bedeutung für die lokale Population. Mit dem Rückgang der Kies- und Bimsausbeute in der Feldlandschaft der rechtsrheinischen Rheintalweitung geht der Rückgang der Flussauenarten Wechsel- und Kreuzkröte einher. Das Vorkommen beider Arten rekrutiert sich heute nur noch aus einer Metapopulation weniger verbliebenen Gewässer im Heimbacher und Engerser Feld. Dabei befindet sich das Kernvorkommen beider Arten im NSG „Meerheck“, deren Pflege für den Erhalt beider Arten mit erheblichen Mitteln des Landes finanziert wird. Die Austauschbeziehungen über die B 42 hinweg zum Engerser Feld sind entscheidend für die Überlebensfähigkeit der lokalen Population beider Arten!

Die Errichtung der Betongleitwand führt zur erheblichen Beeinträchtigung der lokalen Populationen von Kreuz- und Wechselkröte, weil sie den Austausch zwischen den Feldregionen verhindert. Die Vorkommen der südlich gelegenen Feldregion bis ins Engerser Feld werden isoliert.

Mit der Zerschneidung der lokalen Population von Kreuz- und Wechselkröte geht aus unserer Sicht somit ein Umweltschaden einher.

Wir beantragen daher, von Amts wegen tätig zu werden und Sanierungsmaßnahmen nach dem Umweltschadensgesetz zu veranlassen. Wir halten den Einbau von Gleitschutzwänden für einen Verstoß gegen geltende Naturschutzbestimmungen und sehen darin einen Umweltschaden.

Sollten für die Bearbeitung dieses Antrags Kosten entstehen, bitten wir darum, uns vorher die voraussichtliche Höhe mitzuteilen.

 

Betonleitwand B 42 = Todeswand für Tiere

 

Neuwied/Bendorf. Wenn die Autofahrer aufmerksam die Schnellstraße B 42 zwischen Neuwied und Bendorf beobachten, werden sie immer häufiger tote Tiere sehen.

Dafür gibt es einen Grund, nämlich die neue Betonleitwand zwischen den Fahrbahnen,

die die herkömmlichen Leitplanken ersetzen und für mehr Sicherheit sorgen sowie pflegeleichter sei soll.

Als diese Austauschpläne bekannt wurden, haben Naturschutzverbände gleich die Gefahr für die Tiere kommen sehen, die regelmäßig über die Straße wechseln, und für die Leitplanken kein Hindernis darstellen.

Leider wurden die Lösungsvorschläge der Naturschützer nicht beachtet, sondern es hieß

lapidar, man wolle erst einmal abwarten.

Dieses Abwarten kostete bisher viele Tiere das Leben. So wurde z. B. eine ganze

Dachsfamilie ausgelöscht, man fand einen überfahrenen Fuchs, mehrere Igel und ein ganze Reihe toter Kaninchen, die es nicht über die Betonwand schafften. Von den ungezählten Kleinlebewesen und Amphibien lassen sich außerdem kaum Überreste finden.

Es ist doch immer wieder das gleiche Trauerspiel, da wird mit Tunnelblick etwas geplant, aber nicht bedacht, dass eine anscheinende Problemlösung in anderer Hinsicht Gefahren mit sich bringt. Und was einmal geplant ist, wird so ausgeführt, denn man weiß ja noch nicht ob „das Kind in den Brunnen fällt“ – das heiß in diesem Falle, ob wirklich Tiere überfahren werden. Die Tatsachen sprechen für sich – und nun ?.

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