01.02.2012                                                    NABU.Neuwied@NABU-RLP.de

 

Planungsstopp für die Rheinvariante – Erfolg für den Naturschutz

 

Bendorf. Die Gemeinderäte Vallendar und Bendorf haben sich gegen den Bau des Radweges entlang des letzten großflächigen Mittelrhein-Auwaldes entschieden. Ein Erfolg für Natur, Naturschutz und den Steuerzahler. Der Radweg wird nun trotzdem gebaut: Und zwar naturverträglich, hochwassersicher und kostengünstiger entlang der Bundesstraße 42, aber nach wie vor mit Genussblick auf den Rhein.

Das jahrelange zähe Ringen um den Bau des Rheinradweges durch ein nationales Natur- und europäisches (FFH-) Schutzgebiet ist beendet. Letztendlich waren die Argumente der Naturschützer gewichtiger und führten zum Einlenken der Gemeinderäte. Mit einem hohen zeitlichen und finanziellen Einsatz in Form zahlreicher Stellungnahmen, Leserbriefe, Gesprächen und mit dem beauftragten Fachgutachter Dr. Matthias Schreiber konnte der NABU Neuwied den Erfolg erreichen.

 

Schließlich waren Wasservögelrastplätze, eine überregionales bedeutendes Teichrohrsängervorkommen, Mauereidechsen-Lebensräume und europäisch geschützte Lebensraumtypen vom geplanten Vorhaben betroffen. Zum Schutz der Vorkommen hätte u.a. eine Sichtschutzwand zum Rhein hin gebaut werden müssen. Wer baut schon einen Radweg entlang eines Flusses, muss sich aber die Aussicht mit Sichtschutzwänden zustellen, um Störungen von Brut- und Wasservögeln zu mindern?

 

Die Konsequenz: Da eine naturverträgliche und unter den Voraussetzungen attraktivere Führung des Radweges entlang der B 42 möglich ist, gab es rechtlich und politisch keine Durchsetzbarkeit für den Radweg direkt am Rhein. Dies sah auch die Mehrheit der Gemeinderäte so.

 

Darüber hinaus gab der NABU frühzeitig zu verstehen, notfalls den juristischen Weg einzuschlagen. Die Erfolgsaussichten wären gut gewesen. Im Rahmen der Planung gab es belegbare Erfassungsdefizite, nicht berücksichtigte Schutzgüter, Widersprüche, unwirksame Maßnahmen und fachliche falsche Einschätzungen. Die konsequente Missachtung der Europäischen und nationalen Naturschutzgesetzgebung hat nunmehr eine Bauverzögerung zur Folge, die bei frühzeitiger Beachtung der Hinweise des NABUs vermeidbar gewesen wäre. Dies sollte unseren Entscheidungsträgern ein warnendes Beispiel sein.

 

Erfreulich bleibt, dass uns eine absolute Perle des Naturschutzes in Rheinland-Pfalz mit höchster Bedeutung und Seltenheit ‑ einzigartig am Mittelrhein ‑ erhalten bleibt. Die Naturschutzverbände haben über viele Jahre ihres Einsatzes eine wesentliche Beruhigung des Gebietes und damit eine Aufwertung erreicht. Und sie setzen sich weiterhin engagiert für den Erhalt dieses dynamischen und der Eigenentwicklung unterliegenden Flussauengebietes von überregionaler, europaweiter Bedeutung ein.

 

Alle Stellungnahmen zu diesem Thema sind unter www.nabu-neuwied.de in der Rubrik „Unsere Meinung“ als Download verfügbar.

Stellungnahme zum Bebauunsplan Rheinradweg Bendorf - Vallendar
Stellungnahme Bebauungsplan 20110516 Dr.
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Stellungnahme des NABU zur Informationsveranstaltung am 26.11.2009 im Rathaus Bendorf zum Planungsvorhaben "Rheinradweg Bendorf - Vallendar"

Ergänzung zum untenstehenden Beitrag

[Dez.2009]

Auch wenn Konstruktion und Bau des Rheinradweges möglichst schonend für Die Umwelt geplant sind, können wir grundsätzlich unsere Zustimmung zu diesem Projekt nicht erteilen.

Begründung:

  • Bei unserer Ablehnung stützen wir uns in erster Linie auf das neue Gesetz (Novelle der StVO) vom 01.09.2009, nach dem anstelle bereits vorhandener Radwege keine neuen mehr gebaut werden dürfen.
  • In punkto Sicherheit wäre zum Vergleich zwischen einem Radweg direkt am Rhein und einem durch Leitplanken abgetrennten entlang der B 42 zu sagen, dass
    • die letztere Variante ganzjährig und auch bei Hochwasser zu befahren und
    • diese auch aus allen Richtungen einsehbar und kontrollierbar wäre.
  • Besonders relevant für uns sind die mit Sicherheit zu erwartenden Folgeerscheinungen beim geplanten Rheinradweg wie z. B.
    • das Eindringen (auch zu Fuß) über den Erschließungs-Radweg ins Gelände,
    • das wilde Lagern, Campen und / oder Grillen am Rheinufer,
    • Störungen durch mitgeführte, freilaufende Hunde,
    • das Befahren mit Kleinkrafträdern.
    • Allein das geplante Fällen von ca. 26 Bäume stellt einen schweren Eingriff dar – trotz Ausgleichspflanzungen.

Es waren auch Stimmen laut geworden, die den Erholungswert für Menschen über den Naturschutz stellen. Diesen müssen wir zu bedenken geben, dass es den Naturschutz nur deshalb gibt, weil uneinsichtige Mitbürger die Natur vollends (zer)stören würden. Es ist nun einmal so, dass der Mensch in jedes noch so abgelegene oder unberührte Refugium vordringen will und leider nur durch Verbote ( die nur bedingt wirksam sind ) vom Betreten der Schutzgebiete abgehalten werden kann.

Wenn man sich überlegt, dass das Naturschutzgebiet "Insel Graswerth" nur deshalb eine solche Vielfalt an Tieren und Pflanzen aufweist, weil es seit Jahrzehnten von Menschen fast unbehelligt blieb, kann man vielleicht begreifen, warum dieser Zustand erhalten werden muss.


 

 

Stellungnahme zum Radweg Bendorf

Pressemitteilung an die Rhein-Zeitung, Ausgabe Koblenz und Neuwied

[6.5.2009]
Word-Dokument als Download

Beteiligung der Nabu-Gruppe Neuwied und Umgebung an der Bürgerversammlung zur Vorstellung des Bebauungsplanes „Rheinradweg“ am 27. April 2009 im Rathaus Bendorf.

Den leider nur spärlich erschienenen Zuhörern der vorgezogenen Bürgerbetei- ligung erläuterten die Herren Hoffmann vom Planungsbüro sowie Dr.Rehberg vom Institut für Umweltplanung Dr.Kübler anhand grafischer Darstellungen den geplanten Verlauf des Radweges zwischen Bendorf und Vallendar durch das Naturschutzgebiet „Insel Graswerth“. Auch wenn versichert wurde, dass zum Bau der Trasse keine schweren Maschinen zum Einsatz kommen sollen, und zudem die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich gehalten würden, konnten diese Ausführungen die Gegner des Radweges nicht überzeugen. Ihre vielfältigen Argu- mente dagegen untermauerten die Ansicht, dass ein Radweg nicht in dieses hochsensible Gebiet gehört. Nur durch dessen bisherige Unberührtheit konnte es sich zu dem einzigartigen Refugium für seltene Tiere und Pflanzen entwickeln, auf das Bendorf eigentlich stolz sei wüsste.

Als Einwendungen können Interessierte in den nächsten 2 Wochen ihre Bedenken gegen dieses Projekt bei der Stadt Bendorf geltend machen.

Zur vorgezogenen Bürgerbeteiligung der Vorstellung des Bebauungsplanes „ Rheinradweg“ am 27. April im Bendorfer Rathaus

Die durch öffentliche Bekanntmachung geladenen Bürgerinnen und Bürger von Bendorf zeigten überraschend wenig Interesse, denn man hatte eher den Eindruck, an einer internen Veranstaltung von Verwaltung und Planungsbüros teilzunehmen. Dabei sollte ja gerade den Bürgern Gelegenheit gegeben werden, im Anschluss an die Planvorstellung eigene Vorschläge zu Protokoll zu geben.

Die Herren Hoffmann vom Planungsbüro und Dr. Rehberg vom Institut für Umwelt- Planung Dr. Kübler erläuterten anhand grafischer Darstellungen, die für den Laien schwer zu verstehen waren, den geplanten Verlauf des Rheinradweges zwischen Bendorf und Vallendar durch das Naturschutzgebiet „Insel Graswerth“. Für die anwesenden Bürgerinnen und Bürger, darunter Vertreter des NABU-Gruppe Neuwied u. Umgebung, ließ die Planung viele Fragen offen, da sie nicht zur Zufriedenheit beantwortet werden konnten, z.B. wie viel Fläche wird beim Planieren des Unterbaues zerstört, oder wie kommen die Reinigungskräfte z.B. nach einem Hochwasser oder evtl. Rettungsfahrzeuge zum Einsatzort. Wo sind Wendeplätze vorgesehen, da es wohl schwer vorstellbar ist, das die v. gen. Fahrzeuge den ganzen Weg nach Vallendar rückwärt zurück fahren, da eine Zufahrt von Bendorf nicht möglich ist. Vor allem konnte nicht beantwortet werden, ob eine Befreiung von den Verboten der Naturschutzgebietsverordnung gemäß § 48 Landesnaturschutzgesetz durch die Oberste Naturschutzbehörde erteilt werden wird. In den nächsten 2 Wochen haben alle Interessierte Gelegenheit, ihre Bedenken in Form Von Einwendungen bei der Stadt Bendorf geltend zu machen.

 

Rheinaue mit Blick auf das NSG - Graswerth  Foto: Günter Hahn
Rheinaue mit Blick auf das NSG - Graswerth Foto: Günter Hahn

Radweg Bendorf - Vallendar: Behördliches Armutszeugnis 

Der Mittelrhein ist wie fast jeder deutsche Fluss verbaut und begradigt. Die verbliebenen Auwaldreste sind deshalb umso wertvoller als letzte Refugien für die Natur. So auch das Graswerth zwischen Vallendar und Bendorf. Es genießt europäischen Schutz als FFH-Gebiet und eine nationale Protektion als Naturschutzgebiet. Hinzu kommen die gesetzlich geschützten Biotope nach Landesnaturschutzgesetz. Ein Bau des Radweges ist hier nicht nur verantwortungslos sondern schlicht illegal. Das sollte unseren Politikern, erst recht aber Herrn Finkener von der Naturschutzbehörde bekannt sein. Oder setzt man sich dort über geltendes Recht hinweg? Der NABU begrüßt Radwege, aber nicht in den letzten und ohnehin kleinflächigen Rheinauen. Hier sind Alternativen von intelligenten Planern gefragt und rechtlich zwingend erforderlich. Der NABU hält sich deshalb die Möglichkeit einer Klage vor, um eine andere Routenführung zu erwirken.

 

 

 

 

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